Stilarten des Kontratanzes

Kontras können sehr unterschiedlich getanzt werden, von robust und energisch bis ruhig und elegant. Allen Stilarten ist gemeinsam, daß vorbedachte Tänze in Übereinstimmung mit der Struktur der Musik getanzt werden.

Der traditionelle oder Neu-England Stil hat seine Wurzeln in den Neu-England-Staaten Connecticut, Maine, Massachusetts, New Hampshire, Rhode Island und Vermont, aber man kann ihn nun überall in den USA finden, und er hat auch in Dänemark und Flandern Fuß gefaßt. Sein auffälligstes Kennzeichen ist die Kombination 4-Zeit-Balance und 12-Zeit-Swing; das möchte man in jedem Durchspiel tanzen, am liebsten zweimal, erst mit dem Nachbarn und dann mit dem Partner. Manche tanzen auch Turbo-Swing und schaffen mit acht Schritten drei Umdrehungen; es ist eine Herausforderung, beim ersten Schritt zu merken, ob der Nachbar das möchte. Dir würde dabei schwindlig? Dort gehen manche zum Contra mit dem festen Vorsatz, sich schwindlig zu tanzen. „Es ist jedenfalls billiger als Alkohol und Drogen, und wahrscheinlich ist es auch gesünder“, sagte mir jemand halb im Scherz und halb im Ernst. Derselbe erzählte mir: „Ich habís eine Zeitlang mit clubmäßigem Square Dance versucht, aber das war mir zu lahm.“

Neue Tänze werden regelmäßig erdacht, aber neue Abläufe werden sehr zurückhaltend aufgenommen. Die neuen Abläufe, die während der letzten dreißig Jahre im Square Dance aufgekommen sind, werden vermieden, oder sie werden mit anderen Namen umschrieben.

Die Tänze werden trocken durchgegangen. Dann werden sie während der ersten beiden Durchspiele gecallt. Danach sind die Tänzer auf sich selbst gestellt. Nach jedem Tanz sucht man einen neuen Partner. Und vor allem: Wo immer möglich, wird zu handgemachter Musik getanzt. Traditionalisten bestehen darauf, daß jeder Musikant, der einen stetigen Rhythmus spielen kann, besser ist als die schönste Konserve. Darum sind in Neu-England Tanzmusikanten hoch angesehen und sehr gefragt, und demzufolge gibt es dort einen erstaunlichen Reichtum an guten bis hervorragenden Musikern.

Inzwischen bestreiten aber manche, daß es sich hierbei noch um traditionellen Contradance handelt, und bezeichnen diese Stilart als Modernen Städtischen Contradance (Modern Urban Contra).

Der Westliche Stil des Contra Dance wurde in Californien von Square Dancern entwickelt, die mit dem clubmäßigen Square Dance unzufrieden waren, weil dieser so kompliziert geworden ist, daß auf fließende Abläufe und die Struktur der Musik kaum noch Rücksicht genommen wird. Darum wird in dieser Contra-Stilart vor allem auf fließende Übergänge zwischen den Figuren geachtet. Auch die anderen Stilarten achten darauf, aber hier hat es oberste Priorität. Swing wird seltener getanzt, stets nur 8 Schritte, und oft nur mit dem Partner. Der Schwungschritt kommt gar nicht vor, der Pendelschritt nur in Wellenlinien. Alle Grundbewegungen des Square Dance werden akzeptiert; aber Bewegungsfolgen, die im traditionellen Kontratanz gebräuchlich, jedoch im Square Dance unbekannt sind, werden selten getanzt. (Z.B. Hecke zu viert oder die Acht.) Der Caller sagt während des ganzes Tanzes an, und in der Regel benutzt er Schallplatten. Oft werden Singing Call Platten benutzt. Die sind aber meist etwas schneller als traditionelle Kontratanz-Musik, darum wird langsamer getanzt. Ein Kreis zu viert dreht im Western Stil mit acht Schritten dreiviertel herum; im traditionellen Stil kommt man ganz herum.

Neulich (1999)gab es auf einer Kalifornischen Square Dance Convention handgemachte Musik in der Contra-Halle. Darum kamen eine Menge traditioneller Contra-Tänzer. Es wurde berichtet, daß dies zu einem Zusammenprall zweier Kulturen führte. Die daraus folgende Debatte drehte sich zum großen Teil um die Kleidung. Traditionelle Tänzer tragen T-Shirts, während die Western-Stil Tänzer auf „ordentlicher Squaredance-Kleidung“ bestehen, also auf langärmeligen Western-Hemden für die Männer und knielangen Röcken mit Petticoat für die Damen.

Buchlogo Der CONTRALAB Stil (oder der Stil der Lloyd Shaw Stiftung, wie man mit gleichem Recht sagen kann) versucht, das Beste beider Welten zu vereinen. Auch hier kommen die meisten Tänzer, und sicher alle Tanzleiter, aus dem Bereich des clubmäßigen Square Dance. Nun ratet, wo ich herkomme. Als weiteren Beweis könnt ihr das Logo auf dem Titelblatt betrachten. Es bedeutet: Kontratanz in Squaredance verwoben. Übrigens war dies das erste Mal, daß zwei parallele Linien in einem Logo auf Kontratanz verweisen sollten. Kurz und gut, die Absicht dieses Buches ist es, den CONTRALAB Stil zu unterstützen.

Beim Alt-Englischen Stil tanzt man Kontras aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die allgemein als Playford-Tänze bezeichnet werden. Die meisten dieser Tänze sind mit einer bestimmten Melodie „verheiratet“, und manchmal weicht ihre Struktur vom AABB-Schema ab. Sehr oft werden diese Tänze vorab gelernt und während des Tanzens nicht angesagt. Zum einen tanzt manchmal Paar 2 gleichzeitig eine andere Figur als Paar 1, und beide Figuren ergänzen sich wunderbarerweise; aber es würde mehr Zeit brauchen, beide Bewegungen anzusagen, als es Zeit braucht, sie zu tanzen. Zum anderen ist oft die Musik so schön, daß es Schade wäre, dazwischenzuquatschen.

Dann gibt es den gegenwärtigen Englischen Stil, oft bekannt als Barn Dance (Scheunen-Tanz). Dies kann wirklich als der Volkstanz der Britischen Inseln betrachtet werden. Und den Schottischen Country Dance, für den man einen bestimmten Tanzschritt lernen muß, bevor man die Figuren tanzt. Und den Irischen Country Dance, ganz ähnlich wie der englische Barn Dance, nur schneller; und die Iren sind noch stolzer auf ihre besonderen Tanzschritte als die Schotten. Von diesen Tanzarten weiß ich zu wenig, um eine eingehende Beschreibung zu geben.

Zitiert aus meinem Buch Leitfaden / A Guide to / Contra Dance


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Veröffentlicht 2003-09-30  /  Ergänzt 2004-07-12  /  Heiner Fischle, Hannover