Die 45. Histori sagt,
wie ein Stiefelmacher zu Bronschwick Ulenspiegel sein Stiefel spickt, dem er die Fenster us der Stuben stieß

Christoffer heet ein Stiefelmacher zu Brunschwick uff dem Kohlmark, zu dem ging Ulenspiegel und wollt sein Stiefel schmieren lassen. Als er nun zu dem Stiefelmacher kam, da sprach er: „Meister, wann Ihr mir wollten diese Stiefelen spicken, daß ich sie uff Montag wieder haben möcht.“ Der Meister sagt ja. Ulenspiegel ging wieder us dem Hus und gedacht nirgen an. Als er hinweg war, da sprach der Knecht: „Meister, das ist Ulenspiegel, der jedermann zu schalkhaftig ist, und wann Ihr ihn das hießen, als er Uch das geheißen hat, das tät er und ließ es nit.“ Der Meister sagt: „Was hat er mich dann geheißen?“ Der Knecht sprach: „Er hieß Uch die Stiefeln spicken, und er meint schmieren, nun wollt ich sie nit schmieren, ich wollt sie spicken, als man die Braten spickt.“ Der Meister sagt: „Das wellen wir tun, als er uns geheißen hat“, und nimmt Speck und schneidt ihn und spickt den durch die Stiefeln mit einer Spicknadeln als ein Braten. Und Ulenspiegel kummt des Montags und fragt, ob sie ihm sein Stiefeln haben bereit. Der Meister hätt sie an die Wand gehängt und weist sie ihm und sagt: „Sieh, da hangen sie.“ Ulenspiegel sahe, daß die Stiefeln so gespickt waren, und ward lachen und sagt: „Wie seid Ihr so ein frummer Meister, haben Ihr mir das gmacht, als ich Euch hab geheißen, was wöllen Ihr darfür haben?“ Der Meister sprach: „Ein alten Groschen.“ Ulenspiegel gab den alten Groschen us und nahm sein Stiefeln gespicket und ging zu dem Hus us, und der Meister mit seim Knecht, die sahen und lachten ihm nach und sprachen untereinander: „Wie sollt ihm das geschehen, nun ist er geäfft.“ Mit dem so lauft Ulenspiegel mit dem Kopf und Schultern in das Glasfenster, dann die Stub stund uff der Erden und stieß uff die Straß, und sprach zu dem Stiefelmacher: „Meister, was ist das für Speck, den Ihr zu meinen Stiefeln gebrucht haben, ist es Speck von einer Suw oder von einem Eber?“ Der Meister verwundert sich mit dem Knecht. Zuletzt sah er, daß Ulenspiegel in dem Fenster lag und stieß mit dem Kopf und Schultern die Tafeln der Fenster wohl halber us, daß sie zu ihm in die Stuben fielen, und ward zornig und sprach: „Willt du Verräter, dies nit lassen, ich will dir mit diesem Grundel für den Kopf schlagen.“ Ulenspiegel sprach: „Lieber Meister, erzürnent Euch nit, ich wißt geren, was das für Speck wär, damit Ihr mein Stieflen gespicket haben, ist das von einer Suw oder von einem Eber?“ Der Meister ward zornig und sagt, daß er ihm sein Fenster unzerbrochen ließ. „Wöllen Ihr mir das nit sagen, was das für Speck ist, so muß ich gohn und fragen ein andern.“ Also sprang Ulenspiegel wieder us dem Fenster, und der Meister ward zornig uff sein Knecht und sprach zu ihm: „Den Rat gabst du mir, nun gib mir Rat, daß mein Fenster wieder gemacht werden.“ Der Knecht schwiege, der Meiste war unwillig und sprach: „Wer hat nun den andern geäfft? Ich hon allweg gehört, wer mit Schalkslüten beladen ist, der soll den Schlupf abschneiden und sie lassen gohn, hätt ich das auch geton, so wären mein Fenster wohl ganz blieben.“ Der Knecht mußt darum wandern, wann der Meister wollt die Fenster bezahlt haben, darum daß er den Rat gab, daß man die Stieflen spicken sollt.

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