20 Jahre Open Country Hannover

Im Frühjahr 1986 fuhr ich in die USA, um auf der Convention in Baltimore Vollmitglied von CALLERLAB zu werden. Vorher beherbergte mich aber eine Woche lang Ted Sannella, ein bekannter Contra Dance Caller, um mir die Contra Dance Szene in Boston zu zeigen. Diese ist ganz anders organisiert als die im Squaredance gewohnte Clubszene. Tänze werden organisiert von kleinen Gruppen, wlche den Raum, den Caller und die Musikanten besorgen. Die Teilnehmer sind keine Mitglieder, sondern zahlende Gäste ohne weitere Verpflichtung.

Ich beschloß, dieses Format auch in Hannover zu versuchen. Ein anderer Mann, der ebenfalls Boston besucht hatte und von dieser Idee begeistert war, fand einen Raum im Freizeitheim Stöcken, der uns vierzehntägig im Rahmen der Stadtteil-Kulturarbeit zur Verfügung stand. Seit dem 8. August 1986 laden wir dort zum offenen Contra Dance ein. Es war vereinbart, daß wir keine Gebühr erheben sollen; aber ich darf um "finanziellen Applaus" bitten.

Ich sagte Contra Dance auf Deutsch an, was seinerzeit als schwere Ketzerei galt. Aber viele Tänzer(innen) kamen genau aus diesem Grund. Sie hatten in der Jugend kein Englisch gelernt und wollten jetzt zwar tanzen, aber keinen Sprachkurs.

1992 bat mich ein benachbarter Cowboy Club, ihnen Traditional Square Dance beizubringen. Leider gab es dort immer wieder interne Streitigkeiten. Im Herbst 1993 hatte ich die Faxen dicke. Der Saal im FZH Stöcken war inzwischen jeden Montag verfügbar. Darum entschloß ich mich, dort Offenen Square Dance im Wechsel mit Offenem Contra Dance anzubieten. Um GEMA-Deckung für dieses verdoppelte Programm zu erhalten, wurde es als zweiter Clubabend der Happy Squares Hannover unter dem Namen Happy Squares Traditional Style bei der EAASDC angemeldet. Da Ralph Page aber die Mischung aus Contra Dance in langen Gassen und Square Dance mit je vier Paaren als "Country Dance" bezeichnete, nannten wir die Montags-Gruppe intern "Open Country".

Bei der oben erwähnten CALLERLAB Convention wurde die Idee des Community Dance Programms (CDP) entwickelt und der Mitgliedschaft vorgestellt. Darum gebe ich gerne damit an, daß es ein CDP gibt, seit ich Mitglied bei CALLERLAB bin. Und sicher bin ich einer der Ersten, die dieses Programm umsetzten.

Allerdings calle ich Square Dance vorwiegend auf Englisch - es ist einfacher. Vor allem Singing Calls hören sich auf Deutsch nicht gut an. Also mußte ich beim Contra Dance mindestens zu zweisprachigen Tanzrufen wechseln, um allen gerecht zu werden. Die gegen Englisch eingestellten Teilnehmer bleiben ohnehin nach und nach weg; meist aus Gesundheitsgründen bis hin zum Ableben. Außerdem kommt man ohne Englisch auch im täglichen Leben gar nicht mehr aus. In Hannover bekommt man z.B. im ÖPNV keinen "Fahrschein" mehr. Man muß entweder ein "Ticket" lösen oder eine "Card" haben.

1999 entzweiten sich die Happy Squares mit mir, und ich schied aus. Demzufolge bildete die Montags-Gruppe eine Art Club und trat 2000 unter dem Namen Open Country Hannover der EAASDC bei. Da ich aber in diesem Jahr auch in Rente ging, verzweigte es sich in andere Stadtteile. Den aktuellen Zeitplan findet ihr unter www.opencountry.de.

Nebenbei - am Ende meiner Amerika-Reise 1986 waren einige meiner Freunde sehr besorgt, ob ich wirklich wagen sollte, nach Europa zurückzukehren, weil das Kernkraftwerk Tschernobyl expiodiert war. Wie ihr seht: ich tat es, und überlebte.


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Veröffentlicht 2006-05-07   /   Heiner Fischle, Hannover