TanzArten NordAmerika
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Club-Style Square Dance

Square Dance gehört zu den paarweise getanzten geometrischen Gruppentänzen, bei denen eine Anzahl Tänzer mehr oder weniger verschlungene Figuren tanzen. Das Besondere am Square Dance ist, daß diese Figuren Namen tragen und mittels dieser Namen den Tänzern fortlaufend von einem Tanzleiter zugerufen werden. Im modernen oder Club-Style Square Dance hat der Tanzleiter (englisch: Caller) die Freiheit, jede beliebige Reihenfolge zu wählen, sofern die angesagte Figur von den Tänzern verstanden wird und in der gegebenen Aufstellung getanzt werden kann. Die Tänzer brauchen sich keine Abfolgen zu merken, müssen aber lernen, die Figuren nach Zuruf zu tanzen.

Die älteste greifbare Wurzel dieser Tanzart ist das Buch The English Dancing Master ... for the Dancing of Country Dances, dessen erste Auflage 1651 von John Playford herausgebracht wurde. Im Rokoko wurden diese Tänze in ganz Europa beliebt. Französische Tanzmeister begannen, den Figuren systematisch Namen zu geben. In Amerika wurde es üblich, den Tänzern die Abläufe mit diesen Namen während des Tanzens anzusagen; anfangs wohl auf Französisch, aber bald in Englisch.

Das erste Buch von Playford enthielt Tänze in verschiedenen Aufstellungen. In England wurden die Tänze in langen Gassen immer beliebter, bei denen das erste Paar nach und nach die Reihe hinabtanzt. Frankreich bevorzugte die Aufstellung mit vier Paaren überkreuz, bei der jedes Paar seinen Platz behält. In Amerika tanzte man noch eine weitere Form mit beliebig vielen Paaren im großen Kreis, wobei das erste Paar mit dem zweiten Paar einen bestimmten Ablauf tanzt, dann mit dem folgenden Paar, und so weiter im Kreis herum. Das zweite Paar folgt diesem Vorbild, dann das nächste, bis alle dran waren. Das erste Buch von Playford enthält noch Tänze in dieser Form, die dann aber in Europa ganz vergessen wurde. In entlegenen Regionen der Appalachian Mountains blieb sie jedoch erhalten und gelangte von dort über Kentucky in den Wilden Westen.

Vermutlich trafen die verschiedenen Stilarten beim Goldrausch 1849 in Kalifornien aufeinander und befruchteten sich gegenseitig. Vielleicht entstand damals auch der Swing, die rasche paarweise Drehung am Platz, der großartigste Beitrag Amerikas zu unserem Tanzrepertoire. Der Swing erhielt in Amerika Contra und Square Dance lebendig, als in Europa die Englischen Tänze durch Walzer und Polka aus den Ballsälen und Dorfkrügen verdrängt wurden.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts schwand durch die zunehmende Industrialisierung der bisherige Zusammenhalt der Gesellschaft, und die überlieferten Gemeinschaftstänze wurden in den Städten mißachtet und vergessen, in Amerika wie in Europa. In Amerika begann Mitte der 20er Jahre der Autokönig Henry Ford, sich diesem Trend entgegenzustemmen. Er engagierte Benjamin Lovett, einen erfahrenen Tanzmeister, der für ihn und seine Mitarbeiter regelmäßige Tanzkreise einrichtete und ein Buch verfaßte, das unter Henry Ford's Namen herausgebracht wurde.

Mitte der 30er Jahre tanzte Lloyd Shaw, Rektor einer Schule nahe Denver, Colorado, mit seinen Schülern europäische Volkstänze und Tänze aus dem Buch von Henry Ford. Dann entdeckte er, daß in der Umgebung überlieferter Square Dance lebendig war, lernte diese Tänze und sammelte sie in dem Buch Cowboy Dances. Er trat mit einer Gruppe seiner Schüler auf Reisen quer durch die USA auf und machte dadurch Square Dance populär, so daß lange verborgene Traditionen wieder zum Vorschein kamen. Nach Ende des zweiten Weltkrieges hielt er im Sommer regelmäßige Callerkurse, bei denen Ideen ausgetauscht und neu entwickelt wurden.

Mit der Entwicklung elektrischer Grammophone, an die auch Mikrophone angeschlossen werden konnten, kam eine neue Qualität in den Square Dance. Zum Einen brauchte der Caller keine Musikanten mehr zu bestellen (und zu bezahlen) und konnte demnach auch mit kleinen Gruppen tanzen. Zum Anderen konnte er auch unerwartete Folgen callen und trotzdem hoffen, verstanden zu werden. Und er brauchte die Calls nicht mehr so laut wie möglich auszurufen - er konnte sie singen. Aus der Quadrille, die schon immer zu populärer Musik getanzt worden war, wurde der Singing Call. Im Singing Call werden regelmäßig die Partner gewechselt, was es im traditionellen Tanz nie gegeben hat.

Es entstanden Zeitschriften, in denen regional und USA-weit Veranstaltungen angekündigt wurden, und Caller begannen, ihre Ideen in regelmäßigen Rundbriefen auszutauschen. Dadurch entstand eine Flut an Tanzfiguren, und es wurde notwendig, dies zu regulieren. 1974 wurde CALLERLAB gegründet, eine internationale Square Dance Caller Vereinigung, welche die gebräuchlichen Calls in aufeinander aufbauende Listen zusammengefaßte: Basic - Mainstream - Plus - Advanced - Challenge. Weil bereits das Mainstream Program einen Einführungskurs von 30 Doppelstunden voraussetzt und danach regelmäßige Übung, wurde 1986 zusätzlich das Community Dance Program entwickelt, das sich auf 24 Basics beschränkt.

In Deutschland ist bei Square Dance Veranstaltungen das Mainstream Program üblich. In den USA gibt es weite Bereiche, in denen mindestens Plus getanzt wird. Dadurch wird es aber immer schwieriger, neue Tänzer zu gewinnen. Darum wird gegenwärtig versucht, die Programme neu zu strukturieren. Im Jahr 2000 gibt es wahrscheinlich weder Basic noch Mainstream noch Plus, sondern ein vereinfachtes Einheitsprogramm.
(Dieser Vorschlag scheiterte auf der CALLERLAB Convention 1998 nach hitziger Debatte an 3 zur Mehrheit fehlenden Stimmen.)

Ein Square Dance Tip besteht meist aus einem Patter Call und einem Singing Call. Beim Patter Call ruft der Caller die Tanzfiguren in freier Reihenfolge in einer Art Singsang aus, begleitet von einem Hoedown, das ist Musik mit mehr Rhythmus als Melodie. Beim Singing Call folgt der Caller einer sangbaren Melodie, Volkslied, Western Hit oder moderner Schlager. Jeden Monat werden in den USA etwa 20 neue Singing Calls herausgebracht - die Auswahl ist groß. Das Tempo der Musik liegt bei 128 ... 132 Schritten je Minute; beim traditionellen Square Dance darf es auch Tempo 140 sein.

Siehe auch Geschichte des Square Dance


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Contra Dance

Die französischen Tanzmeister übersetzten Country Dance als Contredanse, weil sich immer Paare oder Reihen gegenüberstehen. In Amerika wurde daraus Contra Dance, speziell für Tänze in Gassen-Aufstellung. Diese Form wurde und wird vor allem in den Neu-England-Staaten getanzt. Es gibt eine weite Bandbreite der Stilarten, von ruhig und elegant bis extrem energisch. Allen Stilarten ist gemeinsam, daß die Abläufe genau auf die Struktur der Musik abgestimmt sind, und daß die Abläufe während des Tanzes nicht variiert werden. Der Caller leitet nicht ständig, sondern dient lediglich als Gedächtnisstütze. Er gibt auch nur kurze Stichworte (= Prompts), weshalb der Contra-Caller häufig Prompter genannt wird.

Bei jedem Durchspiel tauschen die Paare die Plätze, so daß man zwar immer denselben Partner, aber jedesmal einen neuen Nachbarn hat. Es gibt verschiedene Aufstellungen: Triple Minor = je drei Paare bilden eine Untergruppe; diese Form war im 19. Jahrhundert allgemein üblich. Duple Minor = je zwei Paare bilden eine Untergruppe. Proper = alle Männer stehen auf der einen Seite, die Frauen gegenüber; das ist die traditionelle Aufstellung. Improper oder Alternate = die Paare 1 in jeder Untergruppe haben auf die andere Seite gewechselt; Alternate Duple Minor ist heute die Standard-Aufstellung. Whole Set = eine bestimmte Anzahl Paare bilden eine Gasse, und bei jedem Durchspiel kommt das obere Paar ans untere Ende; das ist in englischen Contras gebräuchlicher als in Amerika. Sicilian Circle = auf der Kreisbahn bilden je zwei Paare eine Untergruppe. Mescolanza = zwei Paare in einer Linie stehen zwei anderen Paaren gegenüber (Tampet).

Die Musik für Contra Dance muß in deutliche Phrasen unterteilt sein. Üblich sind 8x8 Taktschläge in der Struktur AABB; d.h. eine A-Melodie von 2x8 Taktschlägen wird zweimal gespielt, darauf folgt eine B-Melodie zweimal. Das Tempo sollte bei 116 ... 126 Schritten je Minute sein. Bei schnellerer Musik wird langsamer getanzt, weil die Schritte kürzer werden. Wenige Contras verlangen eine bestimmte Melodie; meist kann ausgewählt werden. Am häufigsten werden Reels gespielt (2/4-Takt), oft auch Jigs (3/8-Takt). Wo Konserven-Musik benutzt wird, nimmt man neuerdings oft Singing Call Platten, da sie dieselbe Struktur wie Contra Dance Musik haben; allerdings sind sie meist zu schnell.

In den Neu-England-Staaten wird Contra möglichst zu Live Music getanzt, und immer sehr energisch. Beim Balance dröhnt der Boden, und Tänze mit viel und langem Swing sind die beliebtesten. Moderne Square Dance Figuren sind verpönt. Wo Contra Dance im Zusammenhang mit Clubstyle Square Dance angeboten wird, werden moderne Figuren geduldet, sofern sie mit 8 Schritten getanzt werden können; und auch Tänze ohne Swing sind beliebt, falls sie einen fließenden Ablauf haben.


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Round Dance

Square Dance und Round Dance gehören zusammen, nicht weil sie verwandt sind, sondern weil sie sich ergänzen. Es war lange üblich, bei Tanzvergnügen zwischen Gruppentänzen und Paartänzen abzuwechseln. Im Gegensatz zur rechtwinkligen Aufstellung der Gruppentänze werden die Paartänze auf der Kreisbahn getanzt und darum Round Dances genannt. Teils wurde nach freier Improvisation getanzt, teils wurden zu bestimmten Melodien feste Schrittfolgen choreographiert. Mit dem Aufkommen der Schallplatten wurde die Musik exakt wiederholbar, und festgelegte Schrittfolgen wurden zur Regel. In den 70er Jahren wurde noch darüber gestritten, ob Round Dances auswendig gelernt oder während des Tanzens angesagt werden sollten. Inzwischen wird grundsätzlich angesagt. Diese Ansagen werden als Cues bezeichnet und der Round Dance Caller als Cuer. Die Schrittfolgen und Rhythmen ähneln dem gehobenen Gesellschaftstanz; auch Rumba, Cha-Cha und Jive werden verwendet.


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Mixer

Mixer sind einfache Tänze im großen Kreis, bei denen nach jedem Durchspiel (meist nach 32 Schritten) jeder einen neuen Partner bekommt. Im modernen Square Dance werden sie allenfalls noch zu Beginn eines Anfängerkurses getanzt.

Clogging

Eine Art Step-Tanz, aus vielfältigen Wurzeln vom irischen Jig bis Tänzen der Negersklaven entstanden. Als Volkstanz frei improvisiert getanzt, als Gruppentanz nach Kommandos in der Art des Line Dance.

Line Dance

Beliebig viele Personen stehen mit gleicher Blickrichtung in einer Linie - oder in mehreren Linien hintereinander - und tanzen am Platz eine vorgegebene Schrittfolge. Meist wird dabei die Blickrichtung um 90° gedreht und dann das Ganze wiederholt. Falls zu moderner Country-Music getanzt wird, nennt man es auch

Country-Western Dancing

Verfaßt Januar 1998 für die LAG Tanz Schleswig-Holstein

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Veröffentlicht 2003-01-26   /   Heiner Fischle, Hannover