Wörterbuch Square Dance ...und was ich sonst noch sagen wollte
© Heiner Fischle, Hannover

Fehler : Jeder hat das Recht, seine eigenen Fehler zu machen, ohne daß ihn die anderen zerren, schubsen und ausschimpfen. Wer freilich jahrelang dieselben Fehler macht, langweilt seine Mittänzer und den Caller. Siehe auch → Hilfe, → Kompetenz und → Patzer.

Firlefanz : Überflüssige Verzierungen beim Tanzen. Mit Vorsicht dosiert kann das zur guten Laune beitragen. Mit Neulingen im Square und bei Workshops sollte darauf verzichtet werden. Als Gast bei einem anderen Club richtet man sich nach den dortigen Gepflogenheiten.

Horseplay : → Mätzchen

Kompetenz : Wenn jemand eine Sache zu 97% richtig macht, ist er schon recht gut. Wenn aber von 8 Tänzern im Square jeder nur 97% der Calls richtig tanzt, dann bricht der Square bei jedem fünften Call zusammen. Das bringt nicht viel Spaß. Ein Anfänger, der die Anweisungen des Callers verstanden hat, hat etwa 97% Kompetenz. Übung bringt dann 100% Kompetenz, das heißt man kann für sich selbst richtig tanzen. Damit ein Square aber gut läuft, braucht es Tänzer mit 103% Kompetenz, die nicht nur selbst richtig tanzen, sondern auch Fehler der Mittänzer ausbügeln können. Diesen Grad der Kompetenz erreicht man nur durch Erfahrung und Tanzen zu verschiedenen Callern. Wer ein neues Programm zu lernen beginnt (z.B. Plus nach MS), bevor er im aktuellen Programm 100% Kompetenz erreicht hat, der ist ein Narr, weil er dann in keinem Programm richtig tanzen lernen wird. Wer ein neues Programm beginnt, bevor er 103% Kompetenz erreicht hat, der beraubt sich und seine Mittänzer. Er kennt nicht die Befriedigung, Anderen geholfen zu haben, und er verweigert den Anderen die nötige Hilfe, um selbst kompetent zu werden. (Siehe auch → Angel und → Hilfe.)

Kontrollsquare : Square, meist in der vorderen Reihe, den der Caller sich zum → Sight Calling gemerkt hat.

Mätzchen : Clownereien zusätzlich zum vom Caller angesagten Tanz; z.B. bei Weave the Ring umkehren und dem Partner nachschleichen; oder mit dem Partner die Rolle wechseln, daß der Herr als Dame tanzt und umgekehrt - das verwirrt nicht nur die Mittänzer, sondern auch den Caller, wenn es im → Kontrollsquare geschieht; oder während der Promenade von einem Square in einen anderen wechseln; oder ... gebe ich etwa hierfür Anleitungen?
Firlefanz treiben und Mätzchen machen ist für die Entwicklung eines Square Dancers dasselbe, was die Flegeljahre für einen jungen Menschen sind: Da muß man durch.

Mill Around : gibt es in zwei Varianten.
Grand Mill Around : Alle acht Tänzer haben die Orientierung verloren und laufen ziellos durcheinander.
Split Mill Around : Zwei Paare tanzen noch, die anderen vier wissen nicht weiter.
(Wenn sechs zur Home Position wollen und zweie wollen weitertanzen, ist das kein Split Mill Around mehr, sondern nur noch ärgerlich.)

Patzer : Wir alle verpatzen mal einen Call, weil wir ihn nicht gehört oder falsch verstanden haben, oder weil uns in der gegebenen Situation nicht gleich die richtige Ausführung einfiel. Dann sollte man versuchen, ohne Panik den Fehler zu reparieren. Gelegentlich hilft es, einen Call in verkürzter Form zu tanzen. Ein Dosado oder ein Forward and Back z.B. können weggelassen werden; so hat man 6 Schritte aufgeholt. Ist der Corner zu Allemande Left nicht greifbar, weil er z.B. gerade einen Twirl tanzt, kann das auch entfallen. Ein Pass Thru darf aber nicht weggelassen werden, auch wenn man den nächsten Call schon längst gehört hat. Hat man einen Stern verpaßt, darf man nicht nachrennen. Da man auf der Außenbahn rennt, während der Stern sich innen dreht, holt man die Lücke nie ein. Zwei Takte warten, dann kommt die Lücke wieder vorbei. Weil meist → symmetrische Choreographie gecallt wird, kann man sich oft nach einem Moment der Verwirrung an der anderen Hälfte des Squares orientieren. Darüber nachdenken, wie es zu dem Patzer gekommen ist, hilft im Moment gar nicht und führt nur zu weiteren Fehlern. Mit den anderen Tänzern zu diskutieren ist noch viel schlimmer. Wenn gar nichts mehr hilft, hilft die → Lost Square Procedure. (Siehe auch → Hilfe.)

Purple Heart : Das Verwundeten-Abzeichen der USA. Eine Nachbildung kann als Fun-Badge oder Fun-Dangle getragen werden, wenn man mit 3 Callern in einem Square getanzt hat. Caller gelten nämlich als schlechte Tänzer.

Rankenschritt (Grapevine) : Bei Kreis nach links wird der rechte Fuß abwechselnd vorgekreuzt und hintergekreuzt. Dadurch schwingt der Körper abwechselnd nach links und nach rechts. In israelischen und südslawischen Volkstänzen ist dies oft die vorgegebene Schrittart. Hier kreuzen aber alle gleichzeitig vor bzw. hinter. Im Square Dance hat sich in Deutschland der Rankenschritt ebenfalls eingebürgert. Hier sollen aber die Männer vorkreuzen, wenn die Damen hinterkreuzen, und umgekehrt. Dadurch wenden sich alle abwechselnd zum Corner und zum Partner. Das gibt ein hübsches Bild, wenn die Damen Petticoats tragen. Aber ohne diese - oder mindestens weite Röcke - sieht es albern aus.
Kreise zu viert müssen zielstrebig ohne Rankenschritt getanzt werden, sonst hinkt man dem Timing hinterher.
Im Traditional Square Dance und mit Anfängern sollte der Rankenschritt vermieden werden. Bei Reisen sollte man beobachten, was die anderen Tänzer machen, und sich daran anpassen.

Styling : Die Art, wie wir tanzen. Gutes Styling bewirkt flüssiges und ermüdungsfreies Tanzen und darf nicht mit → Firlefanz verwechselt werden. Styling Hinweise werden in diesem Heft zu folgenden Themen gegeben: → Circle → Dosado → Grand Square → Promenade → Swing → Twirl → Weave the Ring

Twirl : Die Dame dreht unter der erhobenen Hand des Tänzers. Twirl kann zu Beginn und Ende einer Promenade getanzt werden. Weil auf Swing häufig Promenade folgt, rechnen viele den dazwischengeschobenen Twirl zum Swing und haben sich angewöhnt, jeden Swing mit einem Twirl abzuschließen. Das ist aber nicht gut. Wenn z.B. ein Allemande Left folgt, hat die Dame große Schwierigkeiten, diesen Call rechtzeitig und richtig zu tanzen. Callerlab erwähnt konsequent nur den Promenade Ending Twirl.


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Veröffentlicht 2003-05-05   /   modifiziert 2006-09-07   /   Heiner Fischle, Hannover