Wörterbuch Square Dance ...und was ich sonst noch sagen wollte
© Heiner Fischle, Hannover

Home Position : Ausgangsposition im → Square.

Home-to-Home Routine : Ablauf, mit dem der Caller die Tänzer ohne Promenade auf die Ausgangsposition zurückbringt. Wird oft mit Sonder-Applaus belohnt.

Mainstream : Hauptstrom. Siehe → Programme und → Anhang 2

nondescriptive Call : Es gibt Calls, die keinen Hinweis auf die Ausführung enthalten und bei denen es oft nicht einmal klar ist, ob es sich um einen Call handelt oder um ein eingestreutes Füllwort des Callers; z.B. Ah So, By Golly, Oh Yeah oder Wahoo. Solche Calls werden meist bald wieder vergessen. Ah So ist angenehm zu tanzen und hat interessante Möglichkeiten, ist aber wegen seines undeutlichen Namens nie populär geworden.

Ocean Wave : Mehrere Tänzer stehen mit wechselnder Blickrichtung nebeneinander und bilden eine Wellenlinie. Meist sind es vier Tänzer. Bei sechs oder acht Tänzern heißt es Tidal Wave (Flutwelle). Eine Tidal Wave von acht Tänzern wird meist als zwei nebeneinander stehende Ocean Waves von vier Tänzern angesehen. Haben Ende und adjacent Center die rechten Hände gefaßt, spricht man von Right Handed Ocean Waves; haben sie die linken Hände gefaßt, sind es Left Handed Ocean Waves. Stehen nur zwei Personen mit entgegengesetzter Blickrichtung beisammen und haben die rechten bzw. die linken Hände gefaßt, so sind das Miniwaves (righthanded bzw. lefthanded).
CALLERLAB gibt die Fassung mit nach oben gerichteten Unterarmen vor, die darum in Deutschland allgemein üblich ist. In vielen Staaten der USA wird aber mit nach unten gerichteten Armen durchgefaßt, ähnlich wie zu Allemande Left bzw. Turn Thru. Bei einer großen Convention kann es passieren, daß man in einer Ocean Wave den rechten Arm nach oben halten muß und den linken nach unten, um sich den Nachbarn anzupassen.
Ocean Wave ist eine sehr knifflige Formation. Je nach dem gegebenen Call wird sie als eine Linie angesehen oder als zwei sich gegenüber stehende Paare (siehe → Rules). Es war auch lange strittig, ob End & adjacent Center als → Partner gelten, oder die beiden in dieselbe Richtung Schauenden. Im Challenge Program wird entschieden, daß End & adjacent Center Partner sind, und das sollte allgemein gelten.

Quarterly Selection : In den 60er Jahren wurde in den USA auf jedem Tanz eine Anzahl → Experimentals geworkshopt, von denen man beim nächsten Tanz nichts mehr hörte. Darum beschloß → Callerlab, vierteljährlich ein Experimental zur allgemeinen Erprobung vorzuschlagen und nach einem Jahr darüber abzustimmen, ob es gestrichen, weiter erprobt oder einem Programm dauerhaft zugeordnet werden sollte. Anfangs war dieses Projekt ein großer Erfolg und wurde fast zu einem eigenen Programm mit der Abkürzung QS. So gebräuchliche Basics wie Touch a Quarter und Ferris Wheel wurden auf diesem Wege bekannt. In den neunziger Jahren hat sich aber nichts Neues mehr gehalten, und seit 2000 gibt es keine Mainstream Quarterly Selections mehr.

Shingle : Kleines Schild, das mit Hilfe zweier Ringe an ein → Badge angehängt werden kann. Shingles sind meist ernster gemeint als → Dangles. Bei manchen Clubs wird der Name nicht auf das Club-Badge graviert, sondern als Shingle angehängt. Amtsbezeichnungen (President, Club-Caller ...) werden meist als Shingle angehängt. Bei manchen Special Events bekommt man bei wiederholtem Besuch ein Shingle statt des Veranstaltungs-Badges; das kostet dann auch etwas weniger. Vorsicht mit der Mehrzahl! Shingles kann auch Gürtelrose heißen.

Shuffle Step : Siehe → Tanzschritt

Soft Plus : Es werden Basics aus dem Bereich des → Plus Programms gecallt, aber nur in → Standard Application.

Tanz : Tanz ist Bewegung im Rhythmus der Musik. Auf jeden Taktschlag soll ein Schritt gesetzt werden. Auch wenn man an der Stelle bleibt, sollte man durch unmerkliche Bewegung im Rhythmus mitschwingen. Es gibt allerdings Zeitgenossen, die sind so cool, daß sie eine Promenade mit sieben Schritten auf acht Taktschläge latschen. Wenn ich so etwas sehe, komme ich selbst ins Stolpern. Und ich denke an den Spruch: Square Dance ist Freundschaft mit Musik. Wenn jemand die Musik derart mißachtet - wie hält er es mit der Freundschaft?

Tanz-Schritt : Wenn beim Square Dance die Musik leise gedreht wird, sollte das Geräusch der Schritte nicht als trap, trap, trap zu hören sein, sondern als ssst, ssst, ssst. Denn beim Square Dance wird der Fuß nicht von der Ferse zum Ballen abgerollt, sondern mit dem Ballen am Boden nach vorn geführt und mit dem Ballen zuerst aufgesetzt. Wenn wir dabei Kopf und Schultern hängen ließen, wäre es geschlurft. Weil wir uns aufrecht halten und geradeaus blicken, ist es getanzt. Die Körpermitte bleibt dabei über dem vorderen Fuß und stets auf gleicher Höhe; wir hüpfen nicht auf und ab, auch nicht beim → Swing. Mit diesem Schritt kann man stundenlang tanzen, ohne zu ermüden. Er ist auch eine gute Vorübung für das Gehen auf Glatteis. Weil wir den Fuß dicht am Boden halten, besteht keine Gefahr, unserem Partner auf die Zehen zu treten. Darum braucht niemand auf die eigenen Füße zu schauen. Warum darf man beim Tanzen nicht auf die eigenen Füße sehen? Wer das tut, der läßt die Nase hängen; und wer die Nase hängen läßt, der kann nicht fröhlich tanzen.

überblenden (to blend) : Grundsätzlich sollte man einen Call fertig tanzen, bevor man mit dem nächsten beginnt. Es gibt aber Situationen, bei denen man den letzten Schritt des ersten Calls besser wegläßt, um einen fließenden Übergang zum folgenden Call zu haben. Beispiel: Wird aus Facing Lines gecallt: "Reverse Flutterwheel ... Promenade", dann geht man in die Promenade, ohne vorher wieder zu Linien zu kommen.

Visiting Couples : Ein aktives Paar besucht der Reihe nach die anderen Paare und tanzt mit ihnen eine bestimmte Figur. Wenn immer dieselbe Figur getanzt wird, ergibt das im Square 12 Wiederholungen. Dies ist eine gebräuchliche Form im → Traditional Square Dance.

Volkstanz : In einigen Staaten der USA ist Square Dance als Volkstanz des Staates anerkannt. 1981 wurde Square Dance versuchsweise für zwei Jahre als Nationaler Volkstanz der USA anerkannt; dieses Gesetz wurde aber nach Ablauf der Frist nicht bestätigt. Ich bezweifle auch, daß es wünschenswert ist, eine Tanzart als Volkstanz zu bezeichnen, die einen mehrmonatigen Einführungskurs mit Abschlußprüfung voraussetzt.

Weave the Ring : Firlefanz beim Weave the Ring geschieht dann, wenn man sich rechtsschultrig begegnet. Sich zum Partner und zur Opposite Lady zu verbeugen, ist eine nette Art, die nicht stört. Als ich mit Square Dance begann, klatschten wir unterwegs: auf die Knie, in die Hände, und zum Begegnenden. Aber das muß auf den richtigen Takt geschehen, und oft wird der Call im falschen Moment gegeben. Außerdem hat sich die Unsitte eingebürgert, unterwegs den Entgegenkommenden zu greifen, mit den Hüften anzubumpsen und dann die Dame mit einem Twirl weiterzuschicken. Wenn ich nun zur entgegenkommenden Dame klatschen will und diese sich stattdessen an meine Hände klammert, dann bin ich frustriert und lasse es lieber ganz sein. Sich unterwegs anzubumpsen ist eine Unsitte, weil es das Timing der Nachfolgenden ruiniert.


Wer sich die Zeit nimmt, kann hier alles lesen, kopieren, und zuhause sortieren und ausdrucken. Oder doch lieber das Heft bestellen?
4 € + Porto Großbrief   /   mail@heinerfischle.de

zr Vorige Auswahl   /   Nächste Auswahl vor   /   Stichwort-Liste auf

Zurück zur Übersicht   / zur Caller-Schule   / zu Bücher und Broschüren   /   Gästebuch lesen / bereichern

Veröffentlicht 2003-07-14   /   modifiziert 2008-06-01   /   Heiner Fischle, Hannover